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Donnerstag, 12. Februar 2009

Kino - dafür sind Filme gemacht

Mit diesem Werbeslogan wird in einigen Kinos für das Kino an sich geworben. Und ich muss sagen, dass ich mich in den letzten Wochen oft habe verführen lassen, für zwei Stunden in eine andere Welt einzutauchen und Bilder, Farben, Musik und natürlich die verschiedenen Geschichten auf mich wirken zu lassen.
Die ersten beiden Monate des Jahres sind meistens gespickt mit Filmen, in die es sich zu gehen lohnen scheint. Oft stelle ich allerdings folgenden Effekt fest: Man geht seit einiger Zeit mal wieder ins Kino und eine gte Vorschau reicht, um das Interesse für andere Filme wieder zu wecken, was eine Phase des häufigen Kinobesuchs nach sich zieht.
Ich will für die letzten Wintertage meine in diesem Jahr gesehenen Filme auflisten und mit kurzen Tipps kommentieren - keine Angst, der Inhalt wird nicht - wie es zur Zeit wohl üblich ist - komplett verraten.

- Vicky, Cristina, Barcelona
Wer mich kennt weiß, dass ich Filme von Woody Allen liebe. Seit wenigen Jahren spielt er nicht mehr selbst in seinen Filmen mit, sondern konzentriert sich ganz auf den Job des Regisseurs. Seine weibliche "Muse" ist Scarlett Johannsen (wer mich kennt weiß, dass...), die mit Allen das erste Mal in "Match Point" zusammenarbeitete. Danach folgte "Scoop" und nun also "Vicky, Cristina, Barcelona". Wie immer geht es bei einem Film von Woody Allen um Liebe - natürlich die tragische.
Der Film ist einfach toll. Er hat eine sehr interessante Stimmung, was an den Drehorten, Schauspielern und der Geschichte liegt. Besonders interessant ist Funktion des Erzählers, der den ganzen Film über die Story begleitet. Absolut sehenswert!




- Twilight
Ein weiterer Film, der mir die Sneak-Preview beschert hat. Das Problem ist, dass der Durchschnittsbesucher einer Sneak-Preview überhaupt nicht in die Zielgruppe dieses Films passt. Der Film basiert auf einer Roman-Tetralogie der amerikanischen Autorin Stephenie Meyer. Es geht um ein 17-Jähriges Mädchen, das zu ihrem Vater - ein Polizist - in ein kleines Städtchen in Washington zieht und dort auf einen seltsamen, geheimnisvollen Klassenkameraden stößt. Der Film ist nicht schlecht gemacht, doch verliert er mit zunehmendem Alter einfach etwas an Faszination.
An dieser Stelle noch eine Bemerkung zu Rezensionen und Trailern. Warum wird in einem Trailer ein entscheidendes Detail der Geschichte verraten, ohne dessen der Film für jemanden, der den Roman noch nicht gelesen hatte, deutlich spannender gewesen wäre?
Empfehlenswert für die, die den Roman toll fanden oder mit einer 15-jährigen Cousine mal ins Kino wollen.




- Revolutionary Road
Der Film heißt in Deutschland "Zeiten des Aufruhrs", was der dämlichste Filmtitel seit langer Zeit ist und eher nach dem zweiten Teil von "Vom Winde Verweht" klingt, als nach einer gut gelungenen Beziehungs-Analyse.
Leonardo de Caprio und Kate Winslett spielen unter der Regie von Sam Mandes (American Beauty, Road To Perdition) ein Paar, das bei ihrem Zusammenkommen idealistische Träume hat, doch Jahre später feststellen muss, dass von diesen nicht mehr viel geblieben ist. Eindrucksvoll ist das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller und die Ahnung, die man während des Films bekommt, dass Mendes den Verlauf einer Beziehung darstellt, die sich so wohl nicht selten entwickelt.
Sehr empfehlenswert!




- Willkommen bei den Sch'tis
Eine französische Komödie zum Tränenlachen! Ich war etwas skeptisch, ob dieser Film in einer deutschen Übersetzung wirkt - ja, er tut es.
Ein französischer Postbeamte will an die Côte d'azur versetzt werden, wird aber - weil er etwas schummelt - für zwei Jahre in den Norden Frankreichs, in die Nähe von Lille versetzt. Er fährt allein, da seine Frau die entsetzlichsten Geschichten aus dem Norden gehört hat, und muss nun sehen, wie er mit den Sch'tis zurecht kommt.
Absolut empfehlenswert und wahnsinnig komisch!




- Die Klasse
Auch aus Frankreich und der französische Kandidat für den Auslands-Oscar. Ich hatte mir deutlich mehr versprochen und war dementsprechend enttäuscht. Es ist die Verfilmung eines autobiographischen Romans eines Lehrers, der an einer Schule einer Vorstadt von Paris unterrichtet. Der Autor spielt sich in diesem Film selbst, die Schüler werden ebenfalls von Schülern gespielt (die aber nicht sich selbst spielen). Vieles soll in Improvisation entstanden sein. Ich kann nicht genau sagen, was mich an dem Film gestört hat. Vielleicht funktioniert dieser nicht in einer Synchronisation, sondern eher in der Original-Fassung mit Untertiteln, jedenfalls fand ich ihn nicht authentisch. Und ich hatte mir die Probleme, die der Lehrer in der Klasse vorfand, doch etwas schlimmer vorgestellt (davon abgesehen hatte ich das Gefühl, dass er für die Hälfte der Probleme, die er mit der Klasse hatt, selbt verantwortlich war).
Zu lang und nicht wirklich empfehlenswert.




- Frost/Nixon
Der Film behandelt die Entstehung und die Durchführung der Interview-Reihe des britischen Talkshowmasters David Frost und dem zurückgetretenen US-Präsidenten Richard Nixon. Nixon wurde von seinem Nachfolger Ford für alles freigesprochen und hatte sich nie zu seinem kriminellen Verhalten im Zusammenhang mit der Watergate-Affäre geäußert.
Frost hat die Idee mit dem Interview anfangs deshalb, weil er sich hohe Quoten verspricht, Nixon lässt sich schließlich darauf ein, da sein Berater meint, Nixon könne ich mithilfe der Interviews gegen das journalistische Leichtgewicht Frost rehabilitieren - und noch eine nette Summe einstreichen.
Martin Sheen (David Frost) und Frank Langella (Richard Nixon) waren schon die Hauptdarsteller im gleichnamigen Theaterstück, das in London Erfolge feierte. Und auch auf der Leinwand spielen sie ihre Rollen meisterhaft. Ein interessanter, spannender und aufschlussreicher Film über das Innenleben und Verhalten Nixons, in dem das Interview teilweise eins zu eins nachgestellt ist.
Großartig - absolut empfehlenswert!

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