Das Frühstück viel aus wie oft unter der Woche: Knäckebrot und Kaffee. Viel Kaffee. Natürlich machte ich mir viele Gedanken über die erste Stunde in der neuen Klasse - TG, Klasse 13. Abitur über Literatur, viele verschiedene Arten, diese Literatur zu verstehe und anzunehmen werden irgendwie kanalisiert werden müssen. Müssen sie das? Während diese Gedanken im Kopf schwirrten, stieg ich in den Bus, in den Zug und die Stufen zu meinem Lehrerzimmer hinunter. Die anderen waren im Unterricht, sodass ich in Ruhe kopieren gehen konnte.
Ich ließ mir von Hermann, der die Klasse bisher unterrichtete, den Weg zum Zimmer erklären und war - natürlich - zwei Minuten zu spät. Freundliche, aber vor allem erwartungsvolle Blicke lagen auf mir - das ist immer der spannendste Augenblick. Ein neuer Lehrer, eine neue Klasse - Neugierde, Erwartungen, Vorfreude, Befürchtungen auf beiden Seiten. Ich setzte mich (auch wenn ich währenddessen oder spätestens danach oft dachte, dass das etwas pseudo-locker wirken könnte) auf einen Einzeltisch, den ich zu den Schülern nah heranzog.
Ich stellte mich vor, buchstabierte aus der Gewohnheit von mehr als 20 Jahren meinen Namen, und verwarf meinen Plan, den ich mir am Abend zuvor überlegt hatte, sofort. Was entstand, war eine unglaublich angenehme erste Doppelstunde, in der ich die Schüler, die ich von nun an vier Stunden in der Woche bis zu ihrem Abitur begleiten sollte, versuchte kennenzulernen. Das erschien mir viel wichtiger, als die erste Aufgabe anzugehen, die so noch sechs Tage Zeit hatte zu reifen.
Gedanken, Kommentare, Meinungen zu Aktuellem & Vergangenem oder einfach nur etwas, was wert sein könnte von aller Welt gelesen werden zu können.
Dienstag, 11. September 2012
Sonntag, 9. September 2012
Olympia und Fußball
Eine Woche während Olympia in Großbritannien, die Eindrücke waren ganz interessant:
- Akustische Wahrnehmung des Abschluss-Feuerwerks
- Dreimal am Olympia-Stadion vorbeigefahren
- Olympia-Sieg von Chris Hoy im Pub verfolgt
- Festgestellt, dass das Thema Nummer eins bei Taxifahrern in Swansea die anstehende zweite Premier-League-Saison von Swansea ist
Ansonsten haben sich die Eindrücke vom englischen Fußball wieder einmal bestätigt! Vierte Liga, Hereford vs. Macclesfield, 2000 Zuschauer, die Stimmung war im Prinzip peinlich! Einzelne Versuche, Lieder anzustimmen, nach den Toren dann war kurz das Potential zu erkennen. Bei 16 Pfund kann man sich a) wundern, dass 2000 Zuschauer zu solchen Spielen kommen und b) erklären, dass der Altersschnitt relativ hoch ist bzw. keine Konstanz bei den Zuschauern ist.
Dann aber auch wieder erstaunlich, dass zu einem Vorbereitungsspiel wie Swansea gegen Stuttgart doch fast 10 000 Zuschauer kommen. Abseits der großen Clubs besteht also doch noch etwas Hoffnung, dass in diesem großartigem Fußball-Land auf dem Wimbledon-Centre-Court nicht mehr Stimmung herrscht als in den Stadien!
- Akustische Wahrnehmung des Abschluss-Feuerwerks
- Dreimal am Olympia-Stadion vorbeigefahren
- Olympia-Sieg von Chris Hoy im Pub verfolgt
- Festgestellt, dass das Thema Nummer eins bei Taxifahrern in Swansea die anstehende zweite Premier-League-Saison von Swansea ist
Ansonsten haben sich die Eindrücke vom englischen Fußball wieder einmal bestätigt! Vierte Liga, Hereford vs. Macclesfield, 2000 Zuschauer, die Stimmung war im Prinzip peinlich! Einzelne Versuche, Lieder anzustimmen, nach den Toren dann war kurz das Potential zu erkennen. Bei 16 Pfund kann man sich a) wundern, dass 2000 Zuschauer zu solchen Spielen kommen und b) erklären, dass der Altersschnitt relativ hoch ist bzw. keine Konstanz bei den Zuschauern ist.
Dann aber auch wieder erstaunlich, dass zu einem Vorbereitungsspiel wie Swansea gegen Stuttgart doch fast 10 000 Zuschauer kommen. Abseits der großen Clubs besteht also doch noch etwas Hoffnung, dass in diesem großartigem Fußball-Land auf dem Wimbledon-Centre-Court nicht mehr Stimmung herrscht als in den Stadien!
UK-Station IV: Swansea
Wie man mir sagte, sei Swansea die regenreichste Stadt in Großbritannien. Der Plan war daher: Nicht zu Hause bleiben, aber soviel Zeit wie möglich unter einem schützenden Dach verbringen, sprich im Stadion und in Pubs!
In einem der Pubs traf ich auf einen Londoner, den es nach Wales verschlagen hatte, seine Herkunft aber stolz in die Haut einer seiner Arme stechen ließ: Tottenham Hotspurs. Ein Name reichte, um das Eis zu brechen - Jürgen Klinsmann. Bis zu seinem bedauernswerten Wechsel nach München der Lieblingsspieler meiner frühen Fußballjahre, vor allem verfolgte ich sein Gastspiel bei Tottenham, was damals noch nicht so einfach war, aber durch erstaunlich viele Berichte in der sonntäglichen Sportschau erleichtert wurde. Nun war er die Basis für einen tollen weiteren Abend, der auf einer spontanen, eigentlich schon beendeten Geburtstagsparty endete.
Swansea soll ansonsten ganz nett sein!
In einem der Pubs traf ich auf einen Londoner, den es nach Wales verschlagen hatte, seine Herkunft aber stolz in die Haut einer seiner Arme stechen ließ: Tottenham Hotspurs. Ein Name reichte, um das Eis zu brechen - Jürgen Klinsmann. Bis zu seinem bedauernswerten Wechsel nach München der Lieblingsspieler meiner frühen Fußballjahre, vor allem verfolgte ich sein Gastspiel bei Tottenham, was damals noch nicht so einfach war, aber durch erstaunlich viele Berichte in der sonntäglichen Sportschau erleichtert wurde. Nun war er die Basis für einen tollen weiteren Abend, der auf einer spontanen, eigentlich schon beendeten Geburtstagsparty endete.
Swansea soll ansonsten ganz nett sein!
Donnerstag, 6. September 2012
Hinter der Fassade
stor|nie|ren [ital.] (Kaufmannsspr. rückgängig machen; Buchungsfehler berichtigen); Stor|nie|rung
Manchmal wäre das Leben einfacher, wenn hinter manchen Aktionen eine simple, nüchterne Definition stecken würde.
Aber eine Lösung wäre es zugegebenermaßen nicht.
Also klingen die beiden EPs der wunderbaren Band Oscar And The Wolf, die gestern Abend im Merlin gastierten, durch die heimischen Boxen, anstatt durch die Kopfhörer auf dem Fensterplatz im Großraumabteil.
Manchmal wäre das Leben einfacher, wenn hinter manchen Aktionen eine simple, nüchterne Definition stecken würde.
Aber eine Lösung wäre es zugegebenermaßen nicht.
Also klingen die beiden EPs der wunderbaren Band Oscar And The Wolf, die gestern Abend im Merlin gastierten, durch die heimischen Boxen, anstatt durch die Kopfhörer auf dem Fensterplatz im Großraumabteil.
Mittwoch, 5. September 2012
UK-Station III: Irgendwo in Wales
Der warme Sommerwind vermischte sich mit den Klängen eines schon fast vergessenen Oldies und beide wehten durch die offenen Fenster des alten, schon sehr mitgenommenen Kleinwagens, der sich beherzt den Weg durch die zalreichen Schlaglöcher eines abgelegenen Weges bahnte, in Richtung eines einsam daliegenden Flusses - irgendwo in Wales.
Dienstag, 14. August 2012
UK-Station I: London
" "[...] you should avoid taking a car around London during the Olympics[...]"
Ich kann plötzlich fühlen, wie sich neue Synapsen in meinem Gehirn bilden, ganz neue Verbindungen eingehen, wo bisher eher Brachland war. Während ich abwechselnd versuche, Straßenschilder an Häuserwänden zu suchen und mit der linken Hand den Schalthebel. Ich vermute stark, dass mindestens zweimal mein Nachbar rechts oder links an einer roten Ampel denken musste, ich fordere ihn zu einem Rennen auf, so wie der Motor des Mietwagens bei den ersten Versuchen zu schalten aufheulte. Es wurde langsam dunkel und neben des nicht funktionierenden Navis meines Handys stellte mit dem Einbruch der Dunkelheit auch das Handynetz zeitweise sinen Dienst ein. Da war das Schild Richtung Shoreditch/Hackney schon eine geraume Zeit passiert. Ein kurzes lautes Fluchen, ein waghalsiges Wendemanöver (wobei die Erinnerung an meinen einzigen Unfall in einem englischen, zweispurigen Kreisverkehr vor sechs Jahren nochmals ungleich deutlicher vor Augen war) und nach der richtigen Abfahrt und zwei zufälligen Richtungs-Entscheidungen befand ich mich plötzlich auf einer Straße, die ich von meinem letzten Besuch in London tatsächlich kannte und wusste, dass sich mein Ziel ca. eine Minute entfernt befindet.
Sie haben Ihr Ziel erreicht.
Mittwoch, 9. Mai 2012
Foto vs. Selbstwahrnehmung
Von der fünftägigen Reise nach Russland, zu unserer Partnerschule in das 70 km nördlich von Moskau liegende Dmitrov, gibt es unzählige Fotos, von denen jedes einzelne versucht, die vielfältigen Eindrücke so gut es geht, festzuhalten. Und es gelingt ihnen doch ausgesprochen gut. Zahlreiche Momente tauchen bei bestimmten Anblicken aus dem Knäuel der Erinnerung auf, werden deutlicher, um dann geräuschlos und ohne viel Protest, wieder genau dort verschwinden.
Ein Foto lässt mich allerdings seit zwei Tagen nicht mehr wirklich los. Es sträubt sich, leistet Widerstand gegen das erneute Zurücktreten ins Glied der Momentaufnahmen. Interessanterweise ist es kein Russland-spezifisches Foto. Darauf bin ich nicht zu sehen mit dem einbalsamierten und noch ziemlich taufrisch aussehenden Lenin in seiner gut bewachten Gruft. Und auch keines, das mich mit den so gastfreundlichen russischen Kollegen zeigt. Nein, dieses Foto hätte genauso gut auf dem Marktplatz in Schorndorf aufgenommen werden können.
Darauf sind, links im Bild, die vier Schüler zu sehen, die uns Lehrer auf dieser Reise begleiteten, und, auf der rechten Seite, ich. Die vier Schüler sehen relativ interessiert und aufmerksam zuhörend aus – ich sehe aus, wie ein Lehrer! Nun sollte man meinen, dass das nicht weiter tragisch und Grund sein sollte, extra einen Text darüber zu schreiben. Ich hab ja nichts gegen Lehrer! Nur muss ich unbedingt aussehen, wie einer? Nun, wie sehen typische Lehrer aus? Ich kann es nicht beantworten – eben so, wie ich auf diesem Bild. In einer typisch erklärenden, alles zu wissen meinenden Pose. Ernst. Vielsagend. Und alt. Ja, das war ein Kommentar zu diesem Bild. Ich würde auf diesem Foto alt aussehen. Und das stimmt: Jedenfalls deutlich älter, als ich mich selber wahrnehme.
Nun war ich der mit Abstand jüngste der insgesamt sieben Kollegen auf dieser Reise. Und die Anderen würden wohl milde lächeln bis empört auflachen, falls sie dies lesen würden: Ha! Alt – Du?! Komm Du erstmal in unser Alter! Ich hoffe doch, dass dies geschehen wird! Trotzdem beschäftigt mich dieses Bild mehr als gedacht.
Ein Grund für diese Wahrnehmung könnte auch das sein, was ich auf diesem Bild trage: Jenas, Hemd, Sakko. Eben auch relativ typisch. Ich denke, ich werde diese Woche wieder mal im Kapuzenpulli zur Schule gehen.
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